Galerie 90 - Sarah

Ratgeber zum Lederhosenkauf

Auch wenn sie von Zeit zu Zeit immer mal wieder in Mode sind und mittlerweile ein Stück Alltagsgarderobe sind: Ein besonderer Blickfang und modischer Akzent sind Lederhosen nach wie vor. Jedes größere Kaufhaus oder Versandhaus führt sie, so daß der Wunsch nach einer eigenen Hose aus diesem edlen, robusten und sinnlichen Material im Grunde leicht zu verwirklichen ist. Nur auf was soll man angesichts der Überfülle des Angebots achten?

Im folgenden möchten wir all jenen, die noch keine eigenen Erfahrungen beim Kauf und Eintragen einer Lederhose sammeln konnten, einige unserer "Weisheiten" mit auf den Weg geben. Primär beziehen wir uns dabei auf Nappalederhosen (landläufig auch als "Glattleder" bezeichnet), doch vieles läßt sich auch auf Hosen aus Veloursleder ("Wildleder", "Rauhleder") oder aus Nubukleder (= angeschliffenes Nappa) übertragen. Und einiges gilt sinngemäß natürlich auch für andere Lederbekleidungsstücke.

 

Warum kein Lederimitat?

Gerade auf Teenager und andere, deren Bedürfnis nach modischer Kleidung in einem gewissen Mißverhältnis zu Füllung ihres Portemonnaies steht, scheinen billige Kunstlederhosen einen unwiderstehlichen Reiz auszuüben. Leder und Lederimitat sind aber ungefähr so weit auseinander wie in der Architektur Marmor und Marmorimitat (sprich: bemaltes Holz). Nur so auszusehen wie Leder - was auch nur die qualitativ hochwertigsten Imitate schaffen - ist nämlich längst nicht genug: Leder ist im Gegensatz zu mit Polyurethan beschichteten Geweben atmungsaktiv, dehnbar und wird durch das Tragen geschmeidiger, während Kunstleder an stark belasteten Stellen nach kurzer Zeit brüchig wird. Das geht natürlich zu Lasten der Optik und Haltbarkeit. Abgesehen davon wettert alle Welt gegen PVC (denn Polyurethan gehört zur Gruppe der Polyvinylchlorid-Kunststoffe), aber direkt auf der Haut scheinen die Leute damit kein Problem zu haben...

 

Wie lange hält eine Lederhose?

Lederhosen bleiben mit etwas fachgerechter Pflege lange schön. Da kommt keine Stoffhose und schon gar nicht irgendeine Kunstlederhose mit! Insofern erscheint der Anschaffungspreis einer Lederhose nur im ersten Moment so deutlich höher zu liegen als der einer Jeans oder Stoffhose.

 

Welchen Schnitt sollte ich wählen?

Der Vorteil der Haltbarkeit von Lederhosen kann für Modebewußte durchaus ein Nachteil sein, denn z.B. Cargo-Hosen aus Leder gab es nur solange, wie eben Cargo-Hosen aus Stoff "in" waren. Deshalb möchten wir allen "Newcomern" empfehlen, bei der Lederhose Nr. 1 lieber einen zeitloseren oder betont schlichten Schnitt zu wählen:

Die schwarze Lederjeans ist in der Damengarderobe quer durch die Altersstufen inzwischen fast so ein Klassiker wie das berühmte "kleine Schwarze". Sie ist ausgesprochen kombinationsfreundlich und sitzt auch bei vielen Frauen besser als manch anderer Schnitt. Trotzdem ist der Jeansschnitt allein noch keine Garantie für eine gute Paßform; insbesondere im Bund gibt es bei ausgeprägt weiblichen Figuren (breite Hüften, schmale Taille) oft Probleme. Es gibt inzwischen aber auch wieder viele andere Alternativen. Welchen Schnitt und natürlich auch welche Farbe man wählt, ist also letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks und Bekleidungsstils.

Bei Herren ist "Five Pocket" seit Jahren der Standard, und es ist nach wie vor ausgesprochen schwierig, Alternativen zu finden. Auch bei Farben muß man sich vielfach mit schwarz oder braun bescheiden. Es sei denn, man(n) springt über seinen Schatten und schaut sich im - ohnehin üppigeren und qualitativ meist besseren - Angebot für Damen um.

 

Sind Knienähte gut oder schlecht?

Weder noch. Ihr Fehlen ist eigentlich nur ein gewisser Hinweis darauf, daß es sich nicht um eine Lamm-, Schaf- oder Ziegenlederhose handeln kann. Deren Felle sind nämlich einfach zu klein, um für eine ganze menschliche Beinlänge zu reichen (Übrigens werden für eine Hose je nach Größe zwei bis drei Felle verarbeitet). Knienahtlose Hosen gibt es also nur vom Rind und vergleichbar großen Tieren - was aber nicht heißen soll, daß alle Rindlederhosen keine Knienähte haben! Was nun schöner ist, sei allen Glaubenskämpfen zum Trotz jedem selbst überlassen.

 

Was muß oder darf eine gute Lederhose kosten?

Gute Lederhosen müssen gar nicht besonders teuer sein (und umgekehrt: Man kann auch ohne weiteres 250,- Euro für eine störrische Marken-Lederhose ausgeben). In der Preislage zwischen 100,- und 150,- Euro gibt es mit etwas Glück und Sachverstand schon hervorragende Qualitäten. Wichtig ist, daß man sich selbst warenkundlich ein bißchen schlau macht oder zum Einkaufen jemanden mitnimmt, der etwas Ahnung hat, denn in den wenigsten Fällen kann man vom Verkaufspersonal vernünftige Angaben und ehrliche Meinungen erwarten. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.

 

Wie bewahre ich Lederhosen/Lederröcke im Schrank auf?

Am besten glatt hängend an einem Klemmbügel, den es in jedem guten Haushaltswarengeschäft oder Kaufhaus zumeist im Doppelpack gibt. Um gerade bei feinerem Leder Abdrücke der Klemmen zu vermeiden, empfiehlt es sich, ein schmales Stück dickes Leder (z.B. einen Rest vom Kürzen) zwischen Klemme und Hose zu plazieren.

Robustere Hosen vertragen es auch, flach in den Schrank gelegt zu werden. Wenn man aber noch etwas daraufstapelt und das gute Stück nur gelegentlich trägt, kann das allerdings langfristig zu Knickfalten führen.

Bitte beachten: Niemals Lederbekleidung dauerhaft in Plastiktüten lagern!

 

Checkliste für den Lederhosenkauf:

Wie faßt sich das Material an? Ist es "gummiartig" oder "pappig", hat man es meist mit Porcnappa (Schwein) zu tun; dies ist das minderwertigste und leider in vielen Kaufhäusern häufig zu findende Nappaqualität. Es ist nur scheinbar preiswert und sollte im Geschäft bleiben. Empfehlenswerter sind Lamm-/Schafnappa bei dünneren Qualitäten oder Rindleder bei festeren, rustikaleren Hosen - also auch bei solchen, mit denen man sich auch mal auf's Motorrad wagen möchte. Lamm/Schafnappa glänzt meist "seidenmatt", hat eine sehr ebenmäßige feinpolige Struktur und einen weichen Griff, Rindleder ist insgesamt glatter und hochglänzender, oft auch dicker. Ähnlich in der Qualität wie Lamm-/Schafleder ist Ziegennappa; auch dieses ist durchweg hochwertig und empfehlenswert, wird aber relativ selten angeboten.

Wie riecht das Material? Wenn das Stück schon im Laden übel stinkt, Finger weg! Lederchemie ist ohnehin ein ganz heikles Thema, da es hier praktisch noch keine einheitliche Kennzeichnungspflicht für verwendete Gerb-, Konservierungs- und Farbstoffe gibt.

Wie sieht das Leder aus? Das Leder sollte gleichmäßig durchgefärbt sein und nur geringfügige Unregelmäßigkeiten hinsichtlich Struktur und Dicke aufweisen. Natürlich darf es auch nicht abfärben. Gern werden gerade bei billigeren Hosen an vermeintlich unsichtbaren Stellen (Beininnenseiten, Tascheneingriffe) sogenannte Wammenteile vom Bauch des Tieres verarbeitet, die bisweilen stark in Glanz und Struktur von den übrigen verarbeiteten Fellen abweichen. Wammenteile sind leicht zu erkennen: Sie sehen "knautschig" aus.

Wie paßt die Hose im Bund? Anders als bei Stoffhosen sollte man die Hose im Bund ein klein wenig enger wählen, insbesondere, wenn es sich um ein relativ weiches Leder handelt. Schon nach kurzer Zeit des Tragens pflegen sich "passend" gekaufte Lederhosen zu dehnen, und dann kann manch eine(r) froh sein, daß das gute Stück Gürtelschlaufen hat...

Sind die Nähte in Ordnung? Besonders am - meist zum Kürzen offenen - Saum gehen manchmal die Seitennähte auf. Auch der Nahtverlauf sollte stets gleichmäßig sein und nirgends lose Fäden aufweisen. Allen Ökofreaks sei noch geraten, beim Kauf einer biologisch naturgegerbten Lederhose dennoch auf Kunstfasergarn zu bestehen. Naturfasergarne sind für Leder ungeeignet, da nicht gerbchemiebeständig.

Kann man sich in der Hose hinsetzen? Klingt vielleicht ein wenig albern, ist es aber nicht. Zu eng sollte ein Hosenbund nämlich auch nicht sitzen, und an den Oberschenkeln sollten gerade figurnah sitzende Exemplare nicht abschnüren. Sonst kann man die Hose nur zu Stehpartys tragen, und das wäre doch schade!

Platz im Schritt? Insbesondere allen männlichen Wesen sei empfohlen, auf einen bequemen Sitz im Schritt zu achten - da dehnt sich das Leder später durch die Art der Verarbeitung (meist Doppelnaht) nämlich erfahrungsgemäß nicht mehr sonderlich.

Was für ein Futter ist in der Hose? Die meisten Lederhosen haben ein Innenfutter das bis knapp unter das Knie reicht; einige sind aber auch fast auf ganzer Länge gefüttert. Letztere sind im Winter wärmer, beulen an den Knien auch nicht ganz so leicht aus und der Futtersaum zeichnet sich nicht beim Sitzen ab. Ein Futter mit Viskoseanteil oder ganz aus dieser Faser trägt sich in aller Regel angenehmer als ein "Vollplastefutter" aus Polyester-Taft, ist aber leider weitaus seltener zu finden. Auch wenn es Leute gibt, die aus ihren Lederhosen das Futter heraustrennen, um das Feeling des Leders direkt auf der Haut zu haben, möchten wir von solchen Aktionen abraten: Das Futter bietet nämlich auch einen gewissen Schutz vor der Lederchemie, die durch Schweiß ausgewaschen und von der eigenen Haut aufgenommen werden kann. Hautallergien und andere Langzeitschäden können die Folge sein.

 

Weitere Rubriken:

Lederkunde   (Lederarten, Unterscheidungsmerkmale, Herstellung)

Tipps zur Lederpflege   (Reinigungstipps, Pflegehinweise)

Kürzen einer Lederhose   (Anleitung Schritt für Schrit

 

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